Melatonin und Covid-19

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Schlafhormon, das in der Zirbeldrüse aus Serotonin gebildet wird. Es besitzt entzündungshemmende, immunregulatorische und antioxidative Eigenschaften. Als Nahrungsergänzungsmittel in einer Dosierung von 0,5 mg – 20 mg ist es seit Jahrzehnten in vielen Ländern frei verkäuflich. Es besitzt ein gutes Sicherheitsprofil. In der Kurzzeitanwendung sind selbst bei sehr hohen Dosierungen keine schweren Nebenwirkungen bekannt.

Hilft Melatonin bei Covid-19-Infektionen?

Immer mehr Forschungsarbeiten kommen zu dem Ergebnis, dass die Verabreichung von Melatonin hilfreich bei Covid-19-Infektionen sein könnte:

  • Eine Analyse des Cleveland Klinikums ergab, dass die Einnahme von Melatonin mit einer um fast 30% verringerten Wahrscheinlichkeit verbunden war positiv auf SARS-CoV-2 getestet zu werden. Bemerkenswerterweise stieg das reduzierte Risiko für einen Positiv-Test für Afroamerikaner sogar von 30 auf 52 Prozent. Allerdings weist der Hauptautor darauf hin, dass noch umfangreiche Beobachtungsanalysen und randomisierte kontrollierte Studien notwendig sind, um den klinischen Nutzen von Melatonin für Patienten mit COVID-19 zu validieren.
  • Eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie wurde vom 25. April 2020 bis zum 5. Juni 2020 mit 74 Patienten, die leicht oder mittelschwer an COVID-19 erkrankt waren, im Baqiyatallah-Krankenhaus in Teheran durchgeführt. Die Kontrollgruppe wurde mit der üblichen Standardversorgung behandelt, während die anderen Teilnehmer neben der Regelversorgung zusätzlich dreimal täglich 3mg Melatonin bekamen. Ergebnisse: Insgesamt 24 Patienten in der Interventionsgruppe und 20 Patienten in der Kontrollgruppe beendeten die Behandlung. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten sich die klinischen Symptome wie Husten, Atemnot und Müdigkeit sowie der CRP-Spiegel und die Lungenbeteiligung in der Interventionsgruppe signifikant verbessert. Die durchschnittliche Zeit der Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus und die Rückkehr zum gesundheitlichen Ausgangszustand war in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant kürzer. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die adjuvante Anwendung von Melatonin die klinischen Symptome von COVID-19-Patienten verbessern und zu einer schnelleren Genesung der Patienten beitragen könnte.
Ältere Menschen haben einen niedrigen Melatonin-Spiegel
  • Die Wirkung von SARS-CoV-2 auf den Menschen ist eindeutig altersabhängig. Bisher wurden nur sehr wenige Todesfälle durch COVID-19 bei Personen unter 20 Jahren festgestellt, während ältere Menschen eine übermäßig hohe Sterblichkeitsrate aufweisen. Wissenschaftler vermuten in einer am 29.04.2020 veröffentlichten Forschungsanalyse, dass die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber dem Coronavirus bei älteren Menschen zumindest teilweise auf deren verringerten Melatoninspiegel zurückzuführen ist.