Hormesis

Die Dosis macht das Gift

Hormesis ist eine adaptive Reaktion von Zellen und Organismen auf moderate intermittierende Stressfaktoren. Beispiele hierfür sind sportliche Betätigung, Kalorienrestriktion, Fasten und die Zufuhr geringer Mengen schwach giftiger sekundärer Pflanzenstoffe. Potentiell schädliche Substanzen oder Stress sind nicht grundsätzlich schlecht für die Gesundheit. Schon Paracelsus wusste: Die Dosis macht das Gift.

Wenn Ungesundes gesund wird

Nietzsche hatte also nicht unrecht mit seiner Hypothese: Was uns nicht tötet, macht uns härter. Es ist der gleiche Mechanismus, wenn Menschen sich morgens eiskalt abduschen oder in einer unerträglich heißen Sauna schwitzen. Eigentlich stressen zu hohe oder zu niedrige Temperaturen den Körper und sind nicht wirklich gesund, aber wer sich ihnen regelmäßig für kurze Zeit aussetzt, stärkt die Abwehrkräfte. Auch Sport ist im Grunde zunächst nicht gesundheitsfördernd. Es entstehen kleine Verletzungen in den Muskeln und gerade bei hoher Belastung ist der Körper vermehrt oxidativem Stress ausgesetzt. Aber wie jeder weiß, gibt es einen Trainingseffekt. Wer den Körper im richtigen Rhythmus und im richtigen Ausmaß fordert, macht ihn stärker und widerstandsfähiger. Die Muskeln, der Kreislauf und der gesamte Organismus lernen, mit dem Stress umzugehen und werden dadurch belastbarer.

Auch Pflanzen, die in Treibhäusern aufwachsen und sich nicht mit widrigen Umständen, wie Fraßfeinden oder schlechtem Wetter auseinandersetzen müssen, wären in freier Natur nicht überlebensfähig. Auf den ersten Blick sehen sie oft sogar besser aus als Freiland-Bio-Produkte, aber man merkt schnell, dass sie nur viel Wasser enthalten und eine schwache Zellstruktur besitzen. Auch der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, der sie beispielsweise vor UV-Strahlung und Fraßfeinden schützt ist viel niedriger. Sie müssen diese Substanzen nicht produzieren, da sie steril und geschützt aufwachsen.

Viele Möglichkeiten

Es gibt viele Wege, hormetische Reaktionen zu aktivieren.

  • Eine sichere und bewährte Methode ist Fasten bzw. Intervallfasten. Hunger ist ein, dem Körper bekannter, Stressfaktor und der wahrscheinlich wichtigste hormetische Reiz. Er aktiviert in unserem Körper sogenannte Sirtuine, die in Zeiten des Nahrungsmangels die DNA reparieren und angehäuften Zellmüll abtransportieren können.
  • Wie bereits erwähnt, ist moderater Sport ebenfalls eine gute Methode den Organismus in Maßen zu stressen und hormetische Effekte zu stimulieren.
  • „Sirtfood“: Viele sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse wirken auf den Körper leicht giftig. Durch die regelmäßige Auseinandersetzung mit ihnen wird der Organismus trainiert und adaptiert.

Einige Forscher sind sogar der Meinung, dass kleine Mengen Alkohol förderlich für die Gesundheit sind.

Individuelle Belastbarkeit

Jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Dosis Stress und „Gift“ ihm gut tut. Wer den ganzen Tag sitzend verbringt, sich ständig schont und immer nur leicht verdauliche, „ungiftige“ Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und sterile Fertignahrung konsumiert, unterfordert den Körper und lebt mit Sicherheit ungesund.

Andererseits kann es unklug sein, den Körper zu sehr zu fordern. Zu viel Sport sorgt beispielsweise für eine hohe Energieproduktion und umso höher die Leistung ist, desto mehr freie Radikale entstehen. Eine dauerhaft vermehrte Belastung durch oxidativen Stress, steht mit zahlreichen Krankheiten in Verbindung und kann eine vorzeitige Alterung begünstigen. Auch eine zu strikte Kalorienrestriktion und zu lange Fastenphasen sind auf Dauer definitiv ungesund. Menschen, die an Anorexie leiden, haben eine geringere Lebenserwartung als stark Übergewichtige.

Die inzwischen populäre Empfehlung generell Antioxidantien zu meiden, da sie die Hormesis-Effekte hemmen bzw. verhindern würden, ist mit Vorsicht zu genießen. Das Prinzip, „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“, gilt hauptsächlich für normale, gesunde Menschen. Richtig ist: Hobbysportler sollten vor oder nach dem Sport lieber keine Antioxidantien zuführen, da sie die Entstehung von freien Radikalen hemmen und der „Trainingseffekt“, durch die Auseinandersetzung des Körpers mit oxidativem Stress, somit verhindert wird.

Bei Leistungssportlern oder Marathonläufern ist allerdings die Belastung durch freie Radikale oft massiv erhöht, sodass eine ergänzende Zufuhr von Antioxidantien sicherlich sinnvoll und empfehlenswert ist. Auch bei vielen Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes, Atherosklerose oder schweren Depressionen, lässt sich oftmals vermehrter oxidativer Stress nachweisen. Für diese Menschen kann es ebenfalls hilfreich sein, auf eine Ernährung zu achten, die reichlich Antioxidantien enthält, um wieder ein gesundes Gleichgewicht zu erreichen.

Als Ernährungstherapeut und Heilpraktiker berate ich Sie gerne in meiner Praxis in Augsburg.