Leaky-Gut-Syndrom

Weit verbreitet und dennoch unbekannt

Das Leaky-Gut-Syndrom ist in aller Munde, obwohl es sich nicht um eine „offiziell anerkannte“ Krankheit handelt. Eine erhöhte Darmpermeabilität, wird mit zahlreichen Beschwerden wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen, Allergien, Reizdarm, aber auch psychischen Veränderungen in Verbindung gebracht. Obwohl der Begriff „Leaky Gut“ sich in den letzten Jahren rasant in medizinischen Blogs und sozialen Medien verbreitet hat, sollte man dennoch nicht überrascht sein, wenn der Hausarzt noch nie etwas davon gehört hat. Das Leaky-Gut-Syndrom, auch durchlässiger Darm genannt, ist ein recht neues und umstrittenes Phänomen in der Wissenschaft und die Erforschung dieser Erkrankung steckt daher auch noch in den Kinderschuhen.

Was genau ist ein Leaky-Gut?

Unsere Darmschleimhaut hat eine Fläche von mehr als 400 qm. Wenn sie normal funktioniert, kontrolliert die Darmbarriere, welche Substanzen in den Blutkreislauf aufgenommen werden und welche nicht. Eine ungesunde, gestörte Darmschleimhaut kann undicht und durchlässig sein, so dass Lebensmittel-Antigene, Toxine und Bakterien in das umliegende Gewebe eindringen können. Dies kann zu Entzündungen und Veränderungen in der Darmflora führen. Zahlreiche Studienergebnisse zeigen, dass Veränderungen des Mikrobioms und Entzündungen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung vieler chronischer Krankheiten spielen können.

Im Grunde haben alle Menschen eine leichte Form von Leaky-Gut, da die Darmbarriere nicht vollständig undurchlässig ist und auch gar nicht sein sollte. Betroffene haben aber möglicherweise eine genetische Veranlagung, empfindlicher auf Veränderungen im Verdauungssystem zu reagieren. Neben den Genen spielt sicherlich der Lebensstil die größte Rolle bei der Entstehung eines Leaky-Gut-Syndroms. Man vermutet, dass die typisch „westliche“ Ernährungsweise mit wenig Ballaststoffen, reichlich Zucker und gesättigten Fetten diesen Krankheitsprozess auslösen kann. Starker Alkoholkonsum und chronischer Stress können ebenfalls Symptome verschlimmern.

Es ist bekannt, dass eine erhöhte Darmpermeabilität in Verbindung mit Magen-Darm-Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn und Reizdarmsyndrom steht. Allerdings wird auch vermutet, dass ein undichter Darm, nicht nur im Verdauungstrakt, sondern auch im restlichen Körper Probleme verursachen kann.

Folgende Beschwerden und Erkrankungen werden oft mit einem Leaky-Gut-Syndrom assoziiert:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Allergien
  • Unverträglichkeiten
  • Reizdarm
  • Akne
  • Adipositas
  • chronisches Erschöpfungsssyndrom
  • psychische Veränderungen, z.B. depressive Verstimmungen
Gesunde Ernährung – gesunder Darm

Obwohl viele Ärzte mit den Begriff „Leaky-Gut“ nicht viel anfangen können, spielt inzwischen bei vielen Heilpraktikern und naturheilkundlich orientierten Ärzten die Darmgesundheit eine immer wichtigere Rolle bei der Behandlung chronischer Beschwerden.

Der erste und wichtigste Schritt, ist die Reduzierung oder Meidung von potentiell schädlichen Auslösern. Dazu gehören vor allem ein erhöhter Alkoholkonsum, verarbeitete Lebensmittel und zu viel Zucker. Manchmal reicht das schon um Beschwerden zu lindern. Falls nicht, sollten Lebensmittel die Allergien oder Empfindlichkeiten verursachen können, vom Ernährungsplan gestrichen werden. Die üblichen Verdächtigen sind vor allem glutenhaltige Nahrung, Milchprodukte und FODMAPS. Ebenfalls empfehlenswert ist die Einnahme von Probiotika und L-Glutamin um die Regeneration der Darmschleimhaut zu unterstützen.

Egal, ob das Leaky-Gut-Syndrom in Zukunft als „echte“ Krankheit anerkannt wird, oder nicht: Es ist immer eine gute Idee, auf Fertigprodukte, zu viel Alkohol und Zucker zu verzichten. Eine gesunde Ernährung kann Entzündungsprozesse vermindern, die Darmflora stabilisieren und somit zahlreiche Beschwerden positiv beeinflussen – ganz ohne Nebenwirkungen.