Kalorienrestriktion

Auf der Suche nach dem Jungbrunnen

Schon immer träumen die Menschen davon, dem Alter ein Schnippchen zu schlagen und möglichst lange jung, aktiv und attraktiv zu bleiben. Viele Wissenschaftler und Mediziner forschen nach Möglichkeiten den Alterungsprozess zu verlangsamen – bisher noch mit bescheidenem Erfolg. Der Jungbrunnen oder eine „Methusalem-Pille“ wurde noch nicht entdeckt.

Oder vielleicht doch?

Es scheint, dass die Beschränkung der Kalorienzufuhr, die einzige effektive und nachweisbare Anti-Aging Methode ist, die in allen bisher untersuchten Organismen lebensverlängernd wirkt. Es ist verständlich, dass die meisten Menschen nicht sonderlich euphorisch auf diese durchaus erstaunlichen Erkenntnisse reagieren. Askese ist nicht jedermanns Sache. Daher wird die Jagd nach dem Jungbrunnen bzw. der lukrativen Anti-Aging-Wunderpille weitergehen, die dem Entdecker Ruhm und Reichtum und den Menschen anhaltende Jugendlichkeit und Vitalität versprechen.

Kalorienrestriktion

Wissenschaftler entdeckten schon vor über 80 Jahren, dass eine Beschränkung der Energiezufuhr die Alterungsprozesse bei Ratten verlangsamte. Seitdem zeigten zahlreiche Forschungsergebnisse einen lebensverlängernden Effekt der Kalorienrestriktion bei verschiedenen Lebewesen, wie Hefepilzen, Fischen und kleinen Säugetieren. Besonders interessant für uns Menschen war eine Langzeitstudie an über 70 Rhesusaffen in einem amerikanischen Forschungszentrum. Affen, die mit 30 % weniger Kalorien auskommen mussten, lebten länger und litten zudem seltener an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes als ihre wohlgenährten Artgenossen.

Auch für uns gilt: Eine kalorienreduzierte Diät könnte, auch unabhängig vom Einfluss auf das Körpergewicht, lebensverlängernd wirken. Eine Langzeitstudie lieferte Hinweise auf die Grundlagen dieses Effekts beim Menschen. Eine Kalorienreduktion vermindert die Verbrennung und somit auch die Entstehung von Sauerstoffradikalen im Organismus, die Krankheiten fördern und Alterungsprozesse beschleunigen können. Die Studie des US-National Institutes of Health untersuchte, wie gesunde Menschen mit durchschnittlichem Body-Mass-Index auf eine Langzeitdiät reagierten. Zwei Drittel der Teilnehmer wurden gebeten, ihre Energiezufuhr über einen Zeitraum von zwei Jahren um 25 % zu senken. Die anderen konnten ihre Ernährungsgewohnheiten beibehalten.

Am Ende hatte die Interventionsgruppe ihr Ziel verfehlt. Statt den geforderten 25 % hatten sie lediglich knapp 12 Prozent der Kalorien eingespart. Doch auch die Differenz von ca. 300 Kalorien pro Tag hatte eine deutliche Wirkung. Die Teil­nehmer verloren in den zwei Jahren nicht nur durchschnittlich 7,5 kg an Körpergewicht, es hatten sich sogar alle kardiometabolischen Stoffwechselparameter ver­bessert. Dazu gehörten Cholesterin, Triglyzeride, Blutzucker, Insulinsen­sitivität und das CRP.

Der Leiter der Studie William Kraus bemerkte, dass er kein Medikament kenne, das derart tiefgreifende Effekte auf ein so breites Spektrum von kardiometabolischen Risikofaktoren erzielt.

Ein anderes Beispiel: In Okinawa in Japan leben ca. 5-mal so viele Menschen, die das stolze Alter von 100 Jahren erreicht haben, wie in anderen Industrieländern. Es wird vermutet, dass die gesunde Ernährungsweise ein Grund für dafür sein könnte. Sicherlich könnte das eine Rolle spielen. Auffällig ist aber auch, dass die Menschen dort, laut einer Beobachtungsstudie, rund 20 Prozent weniger Kalorien zu sich nahmen als im restlichen Japan. Außerdem fand man bei ihnen häufiger Gene, die möglicherweise mit einem verminderten Risiko für chronische Krankheiten in Verbindung stehen.

Die Studienlage ist klar: Eine Beschränkung der Kalorienzufuhr scheint bei allen bisher untersuchten Lebewesen, von der Fruchtfliege bis hin zum Rhesusaffen eine lebensverlängernde Wirkung zu haben.

Was also ist der genaue Mechanismus dahinter?

Ganz genau kann man dass leider noch immer nicht erklären. Bessere Blutzucker- und Blutfettwerte, verminderter oxidativer Stress oder auch eine verbesserte Autophagie („Zellrecycling“) könnten eine Rolle spielen.

Sirtuine

Auch die sogenannten Sirtuine sind heiße Kandidaten bei den Forschern: Sirtuine sind Reparatur- und „Langlebigkeitsenzyme“ im menschlichen Organismus. Sie können den Stoffwechsel, die Fettverbrennung und den Muskelaufbau beeinflussen. Darüber hinaus haben sie eine regulierende Funktion auf Entzündungsreaktionen und Zellalterungsprozesse. Ihre wahrscheinlich wichtigste Aufgabe ist aber wohl die Reparatur von Schäden im Erbgut der Zellen. Bewegungsmangel, Über- und Fehlernährung können Sirtuine hemmen. Sobald man aber weniger Kalorien aufnimmt als benötigt, also Energiemangel herrscht, wird der Körper in eine Art Überlebensmodus versetzt. Widrige Bedingungen wie Nahrungsmangel bedeuten Stress für den Organismus. Kontrollgene verursachen dann Veränderungen im gesamten Körper, die ihn vorübergehend ganz auf Überleben einstellen. Dieser Überlebensmodus wird von den Sirtuinen gesteuert. Bleibt diese Stressreaktion langfristig aktiviert, wirkt sie bei völlig verschiedenartigen Lebewesen lebensverlängernd und zugleich krankheitsvorbeugend. Demzufolge haben Sirtuine möglicherweise eine Schutzwirkung gegen altersbedingte Schäden, die zu Erkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Krebs führen können.

„Sirtfood“

Aber auch durch eine gezielte Auswahl von Nahrungsmitteln, die sogenannte Sirtuin-Aktivatoren enthalten, soll ein ähnlicher Effekt erreicht werden wie durch Kalorienrestriktion. Als leicht giftige Substanzen lösen bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe im Organismus eine Stressreaktion aus, der die beschriebenen Überlebens- und Reparaturmechanismen in Gang setzt. Man spricht hier auch vom Hormesis-Prinzip. „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“: Stressfaktoren wie beispielsweise Sport, Fasten oder auch „leichte Gifte“ wirken zunächst belastend für den Organismus. Erst durch die Reaktion und Adaption des Körpers darauf entsteht der gesundheitliche Nutzen.

Neben vielen anderen sekundären Pflanzenstoffen ist der wohl bekannteste Sirtuin-Aktivator Resveratrol, der Wirkstoff aus Rotwein bzw. Traubenschalen der mitverantwortlich für das sogenannte „French-Paradox“ sein soll.

Ob diese Pflanzenstoffe nun deswegen förderlich für unsere Gesundheit sind, weil sie besonders starke Antioxidantien sind oder weil sie als „leichte Gifte“ unseren Körper trainieren, ist umstritten und letztendlich auch egal:

Etwas weniger Kalorien und mehr buntes Obst und Gemüse sind offensichtlich gut für unser Wohlbefinden – auch wenn der genaue Wirkmechanismus noch nicht endgültig geklärt ist.

Als Ernährungstherapeut und Heilpraktiker berate ich Sie gerne in meiner Praxis in Augsburg.